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Der zweite Band zur »Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von 1945 bis 2005« ist erschienen.

Zweieinhalb Kilo vielfältige Aspekte, 11 Autoren, 800 Abbildungen, unzählige Informationen für die Jahre 1970 -1989 herausgegeben von Karl Marten Barfuß, Hartmut Müller und Daniel Tilgner. Hier finden sich beim Verlag weitere Informationen. Der Verlag Edition Temmen schreibt:
“Die 1970er und 1980er Jahre bescherten Bremen eine Zeit extremer Spannungen. Die einstige Boomstadt des “Wirtschaftswunders” geriet in den Sog einer gravierenden Wirtschaftskrise. Eskalierende öffentliche Defi zite schnürten die Handlungs- und Gestaltungsspielräume des Staates mehr und mehr ein und die sozialen Probleme drohten dem Land, auch durch eine Veränderung der Bevölkerungsstrukturen, über den Kopf zu wachsen.
Im 2. Band zur “Geschichte der Freien Hansestadt Bremen” machen es sich 12 Autorinnen und Autoren zur Aufgabe, die Brüche zwischen der vorausgegangenen Zeit des “Wirtschaftswunders” und dem Einsetzen der Krise zu beschreiben und zu erklären. In verschiedenen Themengebieten zeichnen sie nach, wie die politischen Reaktionen und deren Rückwirkungen im gesellschaftlichen und kulturellen Bereich waren und wie die Ereignisse schließlich zu einem tiefgreifenden Umbau der Strukturen führten, der das Gesicht der Stadt mehr und mehr veränderte.Fast 800 Abbildungen und ein umfangreiches Register runden auch den zweiten Band der Bremer Nachkriegsgeschichte ab.”
Link zum Fernseh-Beitrag zum Buch in der Sendung “buten und binnen” vom 21. September 2010.
Kurze Rezension des Bandes in der taz bremen.
Das Focke-Museum. Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt noch bis 13. März die Sonderausstellung Bremen 1945 bis 2010 – Soviel Wandel war nie. Zur Ausstellung gehört ein umfangreiches Rahmenprogramm.
Link zur Ausstellungskritik in taz Bremen vom 24.9. 2010.

Deutschland und sein Ethnonationalismus: 1989 bis heute (Veranstaltung mit Detlev Claussen)

Dienstag, 28.9., 19.30 Uhr, Infoladen Bremen, St.-Pauli-Str. 10/11, 28203 Bremen

Im Rausch von 1989 feierten die Deutschen mit „Wir sind ein Volk“ das Verschmelzen von Ost und West und wiesen die Kritik an deutschem Nationalismus zurück. Der verhängnisvolle völkische Nationalismus sollte und soll unter der Umtaufe zum Patriotismus verschwinden. So hat sich die Parole geändert und man beruft sich gegenwärtig darauf, „endlich mal wieder“, „einfach ganz normal“ national zu sein.
Detlev Claussen schreibt 2002: „Deutschland wirkt wieder deutscher.“ Er verweist damit auf den Ethnonationalismus, mit dem man nicht nur in postkommunistischen Ländern nach 1989 zu kämpfen hat. Dieser zeigt sich darin, dass die heterogene Zusammensetzung der Bevölkerung geleugnet wird, während gleichzeitig Multikulti unterm Zwang zur Integration gehuldigt und von nationaler Befreiung schwadroniert wird. Ethnonationalist_innen setzen an die Stelle des melting pot-Modells aus den USA, welches Farbenblindheit und Religionsneutralität versprach, eine Vorstellung von salad bowl, bei der die ethnische Herkunft zu einem Punkt gegenseitiger Anerkennung werden soll. Zwar bezieht man sich in Deutschland auf die US-Diskurse, doch die Kritik am melting pot bekommt eine reaktionäre Wendung im illusorischen Ideal einer ethnohomogenen Gesellschaft, in die sich Minderheiten zu integrieren haben.
In seinem Vortrag wird es Detlev Claussen um eine Kritik des deutschen Ethnonationalismus nach 1989 gehen. Wie können dadurch die heutigen Äußerungen deutschen Nationalismus´ von offizieller Seite her, bspw. in den Einheitsfeierlichkeiten, oder das Lena- und WM-Deutschlandfieber der breiten Bevölkerung verstanden werden? Und welche Bedeutung kommt der Debatte um Leitkultur, Multikulti und Integration im Einwanderungsland Deutschland zu, wie sie beispielsweise aktuell von und über Thilo Sarazzin geführt wird?

Detlev Claussen ist Professor für Soziologie an der Universität Hannover und Autor von zahlreichen Schriften zu Ethnonationalismus, Antisemitismus und Kritischer Theorie.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit associazione delle talpe.